Sprachurlaub Familien Antibes Erfahrungsberichte

Wenn die Mutter mit dem Sohne ... Eine fünf in Französisch und fehlgeschlagene Nachhilfe vor Ort sind in der Regel der Auslöser für die Wahl einer Sprachreise nach Frankreich. So war das auch bei uns. Mein Sohn ist zwölf Jahre alt - zu jung, um alleine zu reisen. Fand jedenfalls die nicht mehr ganz so junge Mutter (55), die zwei Fliegen mit einer Klappe totzuschlagen gedachte. Denn auch meine Französischkenntnisse ließen zu wünschen übrig - gegen eine upgrade hatte ich nichts einzuwenden.

Um es vorweg zu sagen: die Wahl der Sprachschule ebenso die Wahl des Veranstalters war ein absoluter Glücksgriff, ein Segen. Selten habe ich einen derart rundum gelungenen Urlaub erlebt - mich erholt, geschlemmt, das Hirn auf Höchstleistung getrimmt, gelacht, gestöhnt (über die "devoirs" und die nicht im Kopf hängen bleibenden wollenden Vokabeln)  und Dinge erlebt, von denen ich nicht geahnt habe, dass es so viel Spaß macht, sie noch einmal zu erleben.

Beispiel "Schulbank drücken". Es ist ja jetzt schon immerhin mehrere Jahrzehnte her, dass ich zur Schule ging. Und jetzt das: Mit zehn "Youngstern" in einer Gruppe, von denen keiner älter als 22 war: Emma aus Schweden, Irina aus Polen, Gian-Do aus Italien, Marco aus Brasilien. Sie alle wollten Spaß haben an der Cote d Azur, aber eben auch lernen. Das man beides miteinander vereinen kann, war unter anderem "Brigitte" zu verdanken, unserem professeur. Schon merkwürdig, dass es im Französischen nur "le professeur" heisst, aber Brigitte war wirklich  "sensa": Dieser quirligen, mit Händen und Füßen agierenden typischen Französin ist es zu verdanken, dass der Unterricht nie langweilig, uninterressant oder gar zäh war - im Gegenteil: Brigitte hatte super Ideen, auch dem Unbegabtesten in der Runde zu vermitteln, dass es sich lohnte, am Ball zu bleiben und die Hausaufgaben zu erledigen. Und das alles immer, aber wirklich immer, auf Französisch - und irgendwann hat es dann auch der letzte kapiert.
 
Zugegeben, Vokabeln lernen oder eine Präsentation auf Französisch vorzubereiten und dabei am Strand einen Cocktail schlürfen, mit den Füßen im Meer baumeln und die Sonne im Gesicht, das ist ja nicht wirklich schlimm  - und da sind die Hausaufgaben auf einmal gar nicht mehr so nervig, denn man kann den Kellner ja nach dem fehlenden Vokabeln fragen.
 
Und wenn die Hausaufgaben erledigt sind, warten phantastische Ausflugsziele darauf, besichtigt zu werden. Die Villa Rothschild beispielsweise auf Cap Ferrat, wo die blühendenen Apfelsinenbäume in den Straßen ein erstes gelungenes Fotomotiv abgeben. Die Villa selbst erinnert an die wunderschönen Gärten von Versailles, wo man traumhaft  lustwandeln kann. Der Himmel stets satt blau, die Luft schmeichelt wie Seide und dann zwitschern auch noch die Vögel dazu.....es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Man merkt, dass die Baronin allein 25 Gartenarchitekten seinerzeit beschäftigte, um diese Pracht entstehen zu lassen. Oder die Villa Keyrilos (richtige Schreibweise??). Selbst der 12-Jährige staunt, als er hört, wie in diesem Original Nachbau eines griechischen Palastes von 200 vor Christi der Nachwuchs von Sklaven unterrichtet wurde und die Räume von Hausherr und der Dame des Hauses einschließlich der separaten Badezimmer  nahezu identisch sind. Das Ganze wird per Audio-Handy in der jeweils erforderlichen Landessprache gut verständlich und interessant erklärt. Das ist schon allein deshalb viel wert, weil Jugendliche an derartigen Erkundigungen in der Regel weniger Interesse haben. Aber die Technik schafft es.
 
Schließlich die Parfumeure in Grasse - die Vielfalt der Düfte ist kaum auszuhalten bei einem Besuch in der Werkstatt der Seifen- und Duftwasser-Hersteller.
 
Oder der Konfekthersteller "Florian" in Tourette sur Loup: die getrockneten und gezuckerten Orangen, Veilchen, Blütenblätter verströmen einen Duft und Appetit auf mehr.  Alles "faites a la main", also Handarbeit, erklärt uns die deutschsprachige Unternehmenssprecherin - und natürlich dürfen wir propieren. Vom anschließenden Kauf im hauseigenen Shop ganz zu schweigen.
 
Eine weiterer Höhepunkt ist natürlich das ozeanographische Museum in Monaco: Obwohl mir Meeresgetier und Unterwasser-Szenarien eher unheimlich sind, war ich absolut begeistert über die Präsentation von Fischen und Meeresfauna. Allein schon der hundertjährige Palast, in dem mehr als 6000 Lebewesen präsentiert werden, ist ein Besuch wert.
 
Übringes ein grandioser Tipp, seine verbalen Französischkenntnisse vor Ort einzusetzen und gleichzeitig Spass zu haben ist - ich verrate vielleicht nichts Neues - Shopping. Entgegen meiner ursprünglichen Annahme, dass zumindest in den Nobelshops von Cannes, Nizza und Antibes das Service-Personal eher arrogant und von oben herab agiert, wurden wir stets ausgesucht höflich und entgegenkommend behandelt. Ja sogar, mehr noch: Wenn die Verkäuferinnen merkten, wie sehr man sich abmühte, die passenden Vokabeln hervor zu kramen, kam regelmäßig ein kleiner Plausch zustande, man wollte wissen, woher wir kamen, weshalb, wieso, warum - und schon war man mitten drin in einem Gespräch, das nach dem Prinzip "learning by doing" funktionierte.

Wer sich richtig was gönnen will - stets im Hinterkopf das upgrade seiner franz. Kenntnisse - legt sich bei einer Kosmetikerin auf die Couch oder lässt sich z.B. French Nails machen. Das dauert drei Stunden - und man parliert ununterbrochen.
 
Also, für uns steht fest, das war nicht unser letzter Sprachurlaub an der Cote: Vormittags büffeln und nachmittags Spaß haben. Das machen wir noch mal. Denn dass wir in den zwei Wochen viel zu wenig Zeit hatten, uns alles an zu sehen, versteht sich von selbst. Trotz der rund tausend Kilometer, die wir in den 14 Tagen locker mit dem Mietwagen abgefahren haben.

Hariett & Jonathan Drack

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